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Déjà-vu am Gasherbrum I

Den 8.069 Meter hohen Karakorum-Gipfel im Grenz-
gebiet zwischen Tibet und Pakistan nennt Christian
Stangl schlicht den „Einser.“ Auch hier war eine
Neuroute geplant. Allein die Wettersituation vereitelte
das Unternehmen: Es ist 18.00 Uhr und ich blicke ein
letztes Mal prüfend zum Himmel. Ich habe verloren, es
ist das Ende eines Traumes. Es ist mir unmöglich, trotz
aller Motivation gegen meinen Instinkt zu handeln, ich
kann in diese Wand nicht einsteigen. Gegen Mitternacht
beginnt es erneut zu schneien . . .

Ein Jahr später wurde das Gasherbrum-Projekt erneut
in Angriff genommen; zum Kampf mit den immer wie-
derkehrenden Wetterkapriolen gesellten sich erhebli-
che mentale Schwierigkeiten. Die Verhältnisse in der
Wand – technisch schweres Gelände gepaart mit un-
kontrollierbaren objektiven Gefahren – brachten den
Sologänger an den Rand der psychischen Belastbar-
keit, an die Mutgrenze: Das wird nix! Ich habe genug
Jenseitsluft geschnuppert, für solche Waghalsigkeiten
fehlt mir einfach der Mumm!

„Misserfolge“ gehörten fortan in den Strategieplan
und wurden zum integrativen Teil taktischer Über-
legungen: Scheitern bedeutet nicht Verzweiflung,
sondern Neuorientierung. Und das „Scheitern an der
eigenen Idee“ blieb Stangl auch später nicht verwehrt,
zuletzt im Jahr 2008 auf dem K2, wo nach elf Toten
ein weiteres Déjà-vu folgte: Das wird nix! Neuorientie-
rung – neuer Versuch . . .