Wer ist der höchste Berg der Antarktis? Derzeit ist es der Mount Vinson mit offiziellen 4.892 Metern. „Der Zweite“ Mount Tyree steht mit bisher 4.852 Metern - nur 40 Meter niedriger als der Vinson – zu Buche.
Seit meinem zweiten Antarktisbesuch im Dezember 2008 zweifelte ich an der Richtigkeit der Höhen mancher Berge in der Antarktis.
Grund dafür war auch das Zusammentreffen mit Damien Gildea, jener Australier der im Auftrag der „Omega Foundation“ einen Großteil der Berge in der Antarktis mit dem GPS vermessen hat.
Aber eben nicht alle. Die Geldmittel waren zu Ende, die Foundation stellte ihre Mission ein und für nicht verifizierte Höhenangaben wurden einfach alte Angaben übernommen.
Auf alten Atlanten wurde der Mt.Vinson lange Zeit mit 5.140m angegeben, danach rutschte der Gipfel auf 4.897m ab und die erste GPS Vermessung ergab nun 4.892m
Andere Berge schnellten nach der ersten GPS Verifikation nach oben. Der Mt. Kirkpatrick im Transantarktischen Rücken war ein „Noname“ Berg, heute ist er nach einer GPS Verifikation die Nummer Vier der Antarktis.
Fakt ist, dass es vom Mt. Tyree keine GPS-Daten gibt. Das hat auch einen simplen Grund:
Der Mt.Tyree ist ein technisch schwieriger Berg und kein Vermessungstechniker hat es jemals auf den Gipfel geschafft!
Erst ganze sieben Bergsteiger standen seit seiner Erstbegehung im Jahre 1967 auf dem Gipfel, seit 1997 überhaupt keiner mehr. Der technisch leichte Mt.Vinson sah im Laufe seiner Besteigungsgeschichte mehr als tausend Besteiger.
Mit Strausz Tom und Ingrid Schittich geht’s zuerst zum Patton Gletscher, danach Aufstieg über das ca. 2.500m hohe Ostcoulouir.
Camilo Rada, Mitarbeiter der Universität Chile, wird uns vorher im Chilenischen Punta Arenas das für die Vermessung notwendige GPS-Gerät übergeben. Genau jenes GPS, mit dem Damien Gildea den Vinson offiziell ausgemessen hatte.
Um ganz sicher zu sein, dass unsere Messungen auch stimmen, steigen wir danach nochmals auf den Mt. Vinson um eine abschließende Referenzmessung durchzuführen.
Nachdem wir uns immer auf der Ostseite der „Ellsworth Berge“ bewegen, nutzen wir gleich die einmalige Chance um auf einer neuen Route von Nordosten zum Gipfel des Mt. Vinson zu gelangen. Der Abstieg ist über die Standartroute über Westen geplant.
Bergsteigen in der Antarktis hat eigene Regeln, vor allem die ständigen Minusgrade selbst an der Basis der Berge verlangen überlegtes Vorgehen.
Diesmal werden wir drei Wochen komplett autark im Eis unterwegs sein, also kein fixes Basislager. Das Gepäck (Ausrüstung, Essen, Brennstoff) werde wir soweit es geht mit Schlitten transportieren, von denen jeder an die 90kg wiegen wird.
Bei der anschließenden Mt. Vinson Überschreitung werden wir das Material in Etappen „über“ den Berg tragen. Die Schlitten eigen sich nur zum Materialtransport zu ebener Erde, zu Beginn unser geplanten Route auf den Mt. Vinson müssen wir anfänglich durch eine mehr als tausend Meter hohe Eisflanke. (ca. 50Grad Neigung)
An der Abstiegsroute planen wir die Schlitten abzuseilen.
Bild unten links: Die schwarze Pyramide des Mt.Tyree
Bild unten rechts: Bergsteigen in der Antarktis Dezember 2008
Bild rechts: Christian Stangl am Mt.Gardner 4.573m im Dezember 2008