Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche
Christian Stangl ist zweifelsohne eine Ausnahmeerscheinung im internationalen Alpinzirkus. Angesichts seiner vielbeachteten Unternehmungen war ich stets geneigt, seine spektakulären Gipfelgänge mit Superlativen rhetorisch hervorzuheben, doch genau dies verweigerte er mit Vehemenz und zensurierte diesbezügliche Anwandlungen umgehend per Federstreich. Denn dies führe unweigerlich zu unzulässigen Vergleichen meint er, und als Protagonist in der Entwicklung des Bergsports sei ihm Konkurrenzdenken ohnehin fremd. Trotz sachlich nachvollziehbarer Erläuterungen, bleibt der professionellen Alpingilde ob seiner akkordartigen Gipfelläufe immer ein Nachgeschmack des Rätselhaften, manche meinen gar des Wundersamem. Dabei ist der Stanglstil ein ganz und gar profanes Ergebnis konzentrierter Arbeit, ein Produkt kompromisslosen Intensivtrainings und somit die Summe eines Prozesses, der im ständigen Wechselbad zwischen Erfolg und Scheitern Schritt auf Tritt heranreifte.Aus seiner Biografe geht hervor, dass der Skyrunner aus den Gesäusebergen trotz aller Aufsehen erregenden Spitzenleistungen geblieben ist, was er immer war: Ein Individualist mit Visionen, der getreu seines Mottos seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche , das Rad der Alpingeschichte laufend weiterdreht .
(Ernst Kren, aus: Christian Stangl – Skyrunner )
